„hab dich lieb“ – „du mich auch“

(Schwäbische Schimpfwörter)

bei der Jahresausstellung 2025 des Künstlerbundes Tübingen mit dem Titel „Lebens.mittel“

„hab dich lieb“ – „du mich auch“ – Stempelfarbe und Tusche auf Papier, 70 x 100 cm

Von meiner Arbeit „hab dich lieb“ – „du mich auch“ habe ich eine Edition in verkleinertem Maßstab erstellt, sie ist bei mir (Mailadresse in der Leiste unten zufinden) und im Laufe des Jahres 2026 im Künstlerbund Tübingen erhältlich.

Maße 29 x 29 cm, Tusche und Acrylfarbe auf Papier

Der Titel dieser Arbeit „hab dich lieb“ – „du mich auch“ soll als Gegensatzpaar verstanden werden. „Du mich auch“ ist eigentlich die Replik auf „Leck mich am …“ und scheint so gar nicht zu der Liebesbezeugung „hab dich lieb“ zu passen. Aber genau hiermit möchte ich die Ambivalenz zeigen, die für mich in den schwäbischen Schimpfwörtern steckt.

Schimpfwörter, die auf schwäbisch in die Welt geworfen werden, stehen genau in der Mitte oder auf der Kippe zwischen Negativem und Positivem, zwischen Vorwurf, Missbilligung, Abneigung auf der einen und Sympathie, Zuneigung und Anerkennung auf der anderen Seite.

Einen Dubbl, einen Loole, einen Driabl nimmt man in den Arm oder klopft ihm mit einem Lächeln auf die Schulter, obwohl man ihm gerade gesagt hat, wie doof, albern, unpassend das ist, wie er sich gerade benimmt oder was er gerade tut. Vor einem Huraseggl hat man großen Respekt, was er macht, findet man aber nicht gut und verurteilt es. Einer Schell hört man gespannt zu, man könnte ja etwas verpassen von dem, was sie sagt, aber man hält sich auch wegen ihres schrillen Tones die Ohren zu und hält sie nicht lange aus. Und solche Beschreibungen könnte man für jedes der schwäbischen Schimpfworte ausführen.

Diese Ambivalenz schafft nur der Dialekt (auch der bayrische oder der pfälzische oder …), die sogenannte Hochsprache ist da nicht subtil genug.

Ambivalenzen, also hier Bedeutungen, die sich eigentlich widersprechen, aber doch in einem Begriff zusammenfallen können – das interessiert mich als Phänomen im System Sprache.

Aber darüber hinaus sind diese Worte auch einfach nur teils unverschämt grob, teils poetisch, teils lustig – zumindest habe ich schon viele Menschen gesehen, die vor ihnen grinsen und lachen müssen.

Und nicht zuletzt steht für mich der auch hier zu Hause in Tübingen nach und nach verschwindende Dialekt Schwäbisch für „Heimat“.